Plasma in der Medizin

Medizinisches Plasma entsteht durch hohe Energiezufuhr auf ein Gas. Dabei lösen sich von den Gasatomen oder -molekülen die äußeren Elektronen. Die entstandenen Ionen (Atome, denen ein oder mehrere Elektronen fehlen) bewegen sich frei umher und wirken gleichzeitig aufeinander ein. Ein Plasma ist ein teil-ionisiertes Gas, das eine Menge von besonderen Bestandteilen besitzt. Neben den reaktiven Ionen und Elektronen sind das auch UV-Licht, sichtbares Licht, Wärmestrahlung, elektromagnetische Felder sowie angeregte Sauerstoff- und Stickstoff-Spezies.

Die Wunder-Wirkung des Plasmas entsteht, wenn es auf Oberflächen trifft. In der Medizin wird deshalb das ionisierte Gas als Helfer bei Wundheilung und für Asepsis genutzt. Untersuchungen an Patienten mit chronischen Wunden haben eine deutliche Reduktion von Mikroorganismen auf der Hautoberfläche nach der Therapie mit Kaltplasma ergeben. Es konnte auch festgestellt werden, dass dadurch das Wachstum und die Vermehrung von Endothelzellen angeregt und regenerative Prozesse in tieferen Hautschichten aktiviert werden. Die elektrischen Felder und die Wärme fördern als weiteren Effekt die Mikrozirkulation. Dadurch wird die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen verbessert.

Mit Kaltplasma ist es möglich, ein breites Spektrum an Mikroorganismen, auch antibiotikaresistenten Bakterien, zu inaktivieren. Sie werden abgetötet, ohne gesunde Körperzellen zu schädigen. Mit 40 Grad Celsius ist Kaltplasma bestens geeignet, um schmerzfrei ohne Anästhesie zu heilen. Ein Einsatzgebiet ist die Wundbehandlung. Der Plasma-Jet kINPen®MED der Firma neoplas tools GmbH, einer Ausgründung aus dem INP Greifswald e. V. ist als Medizinprodukt der Klasse IIa zertifiziert und wird bereits erfolgreich bei der Behandlung von chronischen Wunden und erregerbedingten Hauterkrankungen in der Dermatologie eingesetzt. Aber auch am Einsatz in der Zahnmedizin und Implantologie wird geforscht. Besonders interessant sind aktuelle Forschungsergebnisse, die auf eine mögliche Inaktivierung von Tumorzellen hindeuten und Hoffnung auf Möglichkeiten in der Krebsbehandlung geben könnten. 

Die Fortschritte in der Plasmamedizin sind groß und tragen damit zur gewachsenen Bedutung der Plasmamedizin bei. Unter anderem wurde das Nationale Zentrum für Plasmamedizin e.V. gegründet, um die Forschung und Entwicklung auf dem Feld der Plasmamedizin in Deutschland voranzutreiben.

Literaturempfehlung